Statik Kirchturm 

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       Stein und Holz am Turm wird der Prüfung unterzogen

 

Der Kirchturm der Sankt Blasius Kirche in Friedrichroda steht schon fast 500 Jahre. Am 10. Mai 1511 wurde der Grundstein gelegt. Aber dieser Standort war nicht neu. Hier war vor dieser Zeit nachweislich eine kleinere Kirche. Deren Fundamente wurden vor Jahren bei Umbauarbeiten sichtbar. Vermutlich war damals hauptsächlich Holz zum Bau verwendet worden. Ob nun wegen Brand oder anderer Schäden,  die Lebensdauer eines solchen Gebäudes war begrenzt. Für eine damals neu zu bauende Kirche wurde, sicher auch aus diesem Grund, von den Bauherren ein solider Stein gewählt. Der fast quadratische Grundriss des Turms ist in spätmittelalterlichem Stil ausgeführt worden. Man hat den Eindruck, der Bau sollte auch zum Zweck des Schutzes der Menschen, einen gewissen "Wehrcharakter" aufweisen. Es wurden für die damalige Zeit erhebliche Mengen an Baumaterial benötigt.  Probleme waren, die Steine zu beschaffen, zu bearbeiten und zu transportieren. Dabei stellte der Transport, wie auch damals bei anderen Bauten beschrieben, das Hauptproblem. Nicht wegen der Ochsen und der Wagen, sondern wegen der gewaltigen Menge Futter, die für die Tiere bei derartigen Arbeiten bereitgestellt werden mußte. Die Kraft kommt vom Kraftstoff und der war zu damaliger Zeit Viehfutter.  Und das obwohl schon die Ernährung der Menschen in unserer Region mangelhaft war. Die unteren Fundamente sind mit sehr großen Steinen gelegt. Nach oben sind die Turmecken in hochwertigem Seeberger Sandstein ausgeführt. Zwischen der sehr massiven Eckquaderung führte man das Mauerwerk mit unterschiedlichsten zur Verfügung stehenden Natursteinen aus. Bei Wandstärken von über 1 Meter war ein stabiler sicherer Stand über Jahrhunderte möglich. Trotzdem sind in diesem halben Jahrtausend Schäden an der Substanz entstanden, die auch unseren Vorfahren schon Sorgen bereiteten. Maßnahmen zur Stabilisierung des Turms wurden auch in vergangener Zeit immer wieder durchgeführt. Man sieht dies zum Beispiel an den Eisen-Ankern auf der Außenwand, die vor langer Zeit befürchtete Probleme lösten. Heute haben wir weitere neue Technologien mit denen auf die statische Anforderung der geschwächten Materialsubstanz reagiert wird. So werden die Wände in horizontaler Richtung von Eckstein zu Eckstein über die gesamte Mauerbreite mit Bohrungen versehen.

Fotos zeigen das Bohrgerät an unserem Kirchturm in Aktion.

 

 

In diese Bohrungen werden Edelstähle hoher Zugfestigkeit und Korossionsbeständigkeit eingeschoben. Wie hier zu sehen, wird der Stahl mit einer Art Sack umhüllt. Dieser verbleibt ebenso wie der Stahl im Bohrloch und wird mittels einem Spezialzements im Bohrloch verpresst. Diese Sicherungsmaßnahmen nehmen die horizontalen Kräfte im Mauerwerk auf, und werden dadurch langfristig für ausreichend Stabilität sorgen.

 

Hier im Bild die mit Diamant besetzte Bohrkrone.

 

Der Teil des Kirchturms oberhalb der Glockenfenster ist achteckig und wird demzufolge als Oktogon bezeichnet. Er wurde, ebenso wie die damals neue Turmhaube, im Jahr 1605 beim Umbau der Turmes aufgesetzt. Er besteht ursprünglich aus einer tragenden Holzfachwerkkonstruktion mit Zinselwerk und Lehmausfachung so wie bei vieler Wohnhäusern unseres Ortes. Dieses Fachwerk wurde von außen mit Sandstein verkleidet, der heute ebenso massiv geschädigt ist.  Dieser Sandstein und die Fugen sind wasserdurchlässig. Das dahinter liegende Holz dementsprechend stark geschädigt. Vor ca. 30 Jahren erfolgte deshalb bereits ein teilweiser Austausch dessen gegen ein Ziegelmauerwerk. Bei heutiger Befundaufnahme wurden aber noch weitere geschädigte Holzbauteile als nicht mehr tragfähig beurteilt.

An der Turmhabe haben die Zimmerleute die Außenschalung abgenommen und wechseln schadhafte, tragenden Balken der Turmkonstruktion aus. Die Schädigung war weitaus mehr fortgeschritten als in der Bauplanung veranschlagt.

 

Wenn möglich werden wir bald mit weiterem Fotomaterial den Fortgang der Arbeiten dokumentieren. Für weitere Fragen steht Oberpfarrer Kunz und der Gemeindekirchenrat gern zur Verfügung.

 

 

 

 

     
           
           
           
           
           
           
           

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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Stand: 08. Mai 2011.