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Eine Geschichte des ev.-luth.
Pfarrhauses in Friedrichroda kann nur erzählt werden, indem zunächst 3
Einschränkungen bzw. Hinzunahmen koinzidiert werden, will das Unternehmen
einigermaßen sinnvoll und authentisch sein. Einmal: Jeder geschichtsbezogene
Vortrag oder andere Unternehmung ist ausnahmslos auf Quellen angewiesen,
resp. auf einen veritablen Zugang zu eben solchen: Urkunden, Schriftstücke,
Belege, Bilder, Verträge, u.a.m. Hat man diese zur Verfügung, kann sich der
Historiker glücklich schätzen, das Stochern im Nebel lichtet dann
erfolgreich den Schleier. Hat er sie nicht zur Verfügung, kann er im
Höchstfalle spekulieren, dann muss er unter großer Vorsicht vorgehen und
sich voreiliger Schlüsse enthalten - auf jeden Fall aber die zweifelhafte
Quellenlage benennen. Weiß er nun, dass Quellen vorhanden sind, deren Zugang
jedoch versperrt ist, dann kommt sich ein Historiker vor wie ein Musiker
ohne Noten, der trotzdem das Bachsche Magnifikat aufführen soll.
Letzter Fall ist nun unsere
Ausgangslage: Der Materialbestand ist reichhaltig, doch noch fast
unzugänglich. Man braucht das jedoch nicht zu beklagen, sondern als weiteren
Grund dafür betrachten, warum der Umbau des Pfarrhauses geschehen musste.
Der dazu gewonnene Archivraum ist unisono die Bedingung dafür, dass nach und
nach unter historischen Gesichtspunkten der Materialbestand aufbereitet
werden kann. Bis es soweit ist, bleibt jede Aussage unter dem Signum des
Vorläufigen. Zweitens: Wenn in Friedrichroda vom Pfarrhaus die Rede ist,
dann muss sich zunächst klären, welches der beiden Häuser überhaupt gemeint
ist, jenes - in Straßenbezeichnung - mit Nr. 18 oder dieses mit Nr. 20 der
Marktstraße. Das heißt, auf die Funktion als Pfarrhaus angewendet, wird sich
mindestens einiges mit beiden Häusern verschränken, wenn nicht sogar
mehrheitlich auf die Nr. 18 ausfallen, weil dieses Haus nach gewöhnlicher
Betrachtungsweise das Ältere von beiden ist, zumindest in seiner Bestimmung
als Pfarrhaus. Daraus ergibt sich eine weitere Konsequenz, gleichsam als
Unterpunkt zur zweiten Einschränkung, die dann richtigerweise eine
Hinzunahme ist. Was mit der förmlichen Bezeichnung der Hausnummern eher
nüchtern klingt, hat zwar eine kaum benennbare, aber deshalb um so
wichtigere Komponente, dass sich in kirchlicher und bürgerlicher Gemeinde
die Achtung und das Gewicht beider Häuser als Pfarrhäuser niedergeschlagen
hat und noch niederschlägt. Oft begegnet mir bis heute ein großes Erstaunen
darüber, dass es mittlerweile und streng genommen, seit Sommer 1995 nur noch
ein Pfarrhaus gibt, was spätestens durch den Verkauf des Zweiten als
juristisch besiegelter Gegenstand zu einem unumstößlichen Faktum gelangt
ist. Drittens und letztens der Vorbemerkungen: Was für Häuser im Allgemeinen
gilt für Pfarrhäuser im Besonderen, dass sie nur zur Wirkung kommen durch
die in ihr lebenden und wirkenden Menschen. Man wird dabei mit aller
Behutsamkeit darauf verweisen, dass Pfarrer ihr Amtsverständnis auf den
Dienst an und in der Gemeinde entwerfen müssen, insofern als Einzelperson
eher im Hintergrund stehen. Gleichzeitig ist ihre Stellung eine öffentliche
und durch die obligate Beauftragung in Gottesdienst und Seelsorge im
Vordergrund angesiedelt. Will sich das Kind nun nicht mit dem Bade
ausschütten, wird man einräumen dürfen, dass ein Pfarrhaus erst dann zur
Blüte kommt als eine Stätte der Begegnung aller Altersgruppen, als Hort des
regen Austausches zwischen Gesellschaft und kirchlicher Gemeinde, sofern der
jeweilige Amtsträger es dazu bringt. Dem aus der Geschichte wie Benehmen
über uns gekommenen löblichen Ideal des lutherischen Pfarrhauses, wie es im
Schwarzen Kloster in Wittenberg sein Vorbild hat, wird also nicht
automatisch Rechnung getragen, sondern steht und fällt mit dem Verständnis
des Pfarrers darüber und seinem Geschick zu befördern oder zu verhindern.
Zusammengefasst ist damit gesagt: Eine Geschichte des Pfarrhauses, ist immer
auch die Geschichte der jeweils amtierenden Pfarrer und ihrer Familien.
Deshalb wird im weiteren auch hier und da der Name eines Amtsträgers genannt
werden dürfen.
Wie schon erörtert, sind
Primärquellen kaum verfügbar, außer einiger weniger Eintragungen in den
Pfarreramtsakten, einem Stadtplan aus dem Jahr 1791 und erster, aber weniger
gesichteter anderer Belege. Reichhaltig ist zwar die Anzahl mündlicher
Berichte aus der Gemeinde also von Zeitzeugen, die wir freilich mit
einbezogen haben, aber die Hauptlast zum gesicherten Erkenntnisgewinn ist
die von Johann Georg Brückner notierte: „Beschreibung des Kirchen- und
Schulenstaats des Herzogthums Gotha" aus dem Jahr 1758 - im weiteren kurz
Brückner zitiert -; und wird es vermutlich auch noch bleiben. Daneben haben
wir zur Bestätigung und Lückenfüllung zusätzlich die Pfarrerchronik
hinzugenommen, die insbesondere für die Chronologie der einzelnen Amtsträger
unerlässliche Dienste leistet.
Die erste und hauptsächliche Frage
wird die nach dem Ursprung sein. Bei einem Gebäude heißt das, die Frage nach
dem Datum seiner Erbauung oder zumindest dem Jahr desselben zu stellen und
möglichst zweifelsfrei zu beantworten.
Damit beginnen bereits alle
denkbaren Ungereimtheiten! Bei Brückner ist nämlich zu lesen: "Das Pfarrhaus
stehet indessen [...] allein, ob es gleich den alten Schulhäusern erbauet
worden, und sollen selbige hierbevor auf dem so genannten Schwarzbach über
Winterstein gestanden, und Jagdhäuser gewesen seyn, welche aber von
damaliger Herrschaft der hiesigen Gemeinde zu Pfarr- und Schulhäusern
verehret worden, und dieses soll nach Ausweisung der Jahreszahl, so ehemals
über der Thür des einen Schulhaus eingehauen gewesen, A(nno). 1574 geschehen
seyn." zu ergänzen wäre: ...läßt sich heute (1758) nicht mehr sicher
feststellen. Das Pfarrhaus ein vormaliges Jagdhaus - ein kurioser Gedanke.
Hat doch der Dienst eines Pfarrers kaum etwas mit Jagen zu tun, eher schon
mit Hegen und Pflegen der ihm anvertrauten Gemeinde. Bei einer Schule mag
sich da vielleicht eine Analogie aufdrängen können. Bedeutsamer sind die
Hinweise, die sich historisch verwerten lassen: Die Jahreszahl 1574 kann
zwar kaum durch weitere Quellen abgesichert werden, belegt aber den
Aufschwung des durch die Reformation ausgelösten Bildungsstrebens, das die
Kirche seitdem als eine ihrer vornehmsten Aufgaben begriff und noch
begreift. Dem entspricht, dass es gleich zwei Schulhäuser waren, die den
notwendigen Raum boten, um dem Schuldienst die nötigen äußeren Bedingungen
zu bieten. Dagegen wird die genaue Lokalisierung des Pfarrhauses als
separates Gebäude noch offen bleiben müssen. Trotzdem kann zweifelsfrei
gesichert werden, dass es zu dieser Zeit erst einen Pfarrer gegeben hat, was
die chronologische Aufstellung der Amtsträger auch bestätigt.
An anderer Stelle liest sich dann
bei Brückner, dass die Erscheinung des Pfarrhauses einen Besorgnis
erregenden Zustand erreicht habe, dass es "... zwar unterschiedene Zusätze
bekommen und wegen der alten Bauart viele Winckel, hingegen wenig Zimmer und
Gelaß hat...", dass es "... jedoch und eben daher ein altes, baufälliges
Pfarrhaus..." ist. Dass beide Schulhäuser baulich wohl genauso hinfällig
waren, bestätigt im gleichen Absatz die Bemerkung, dass sie (die beiden
Schulhäuser) "nun-mehro abgerissen" sind und "... von Grund auf neu
erbauet..." wurden. Damit ergibt sich eine erste Aussage über den damaligen
Bestand (1758): Ein baufälliges Pfarrhaus, vermutlich aus dem Jahr 1574 und
zwei neue Schulhäuser, die an Stelle der alten gebaut wurden. Weiterhin
lässt sich über die beiden Schulhäuser aussagen, dass sie neben den
Schulsälen, vermutlich zwei - in jedem Haus einer - oder höchstens drei,
"... des Rectoris, Cantoris und Mägdlein-Schulmeisters Wohnung ..."
enthalten und "... beyde eine Dachung und Hofstätte haben ..." und, dass die
geistlichen Eingebäude "nebst der Kirchen" liegen.

Mit diesen wenigen Bemerkungen
Brückners ist trotzdem viel gesagt. Zieht man nämlich den Stadtplan von 1791
hinzu, zeigt dieser selbige Häuserzeile im gleichen Winkel und südöstlicher
Richtung zur Kirche, wie sie Brückner beschreibt und wie sie heute noch
besteht. Eine Differenz allerdings lässt sich nicht verheimlichen: Der
Stadtplan hat. vier Häuser, Brückner nennt nur drei; der Stadtplan weist das
Pfarrhaus gar nicht aus, setzt es deshalb auf der Legende in Klammern,
während Brückner es als einzeln stehendes Gebäude hervorhebt. Dieser Befund
und das bisher Gesagte gibt Raum für Spekulationen, denen ich keine
zusätzliche Nahrung bieten will. Deshalb bleibt diese Differenz vorerst nur
erwähnt, ohne sie eingehender zu bewerten.
Etwas weiter führt hingegen die
Tatsache, dass bereits 1702 ein zweiter Pfarrer nach Friedrichroda entsandt
wurde, der im Jahr 1700 zunächst zum Rector der Knabenschule bestimmte
Matthias Gräfenhan, und ab 1702 Inhaber des zweiten, hiesigen Pfarramtes.
Dem war vorausgegangen, dass sich die eingepfarrte Filiale Rödichen
"separierte", 1699 dort eine eigene Kirche erbaut wurde, und einen eigenen
Ortsgeistlichen beanspruchte, damit regelmäßig Gottesdienst gehalten werden
könne. Bis dahin hatte die . Gemeinde aus Rödichen hierher in die Kirche zu
kommen, was bei widriger Witterung den Kirchgang entsprechend minderte.
Gräfenhan scheint den Dienst zunächst eher im Sinne einer Vakanzverwaltung
ausgeübt zu haben, denn erst 1721 wird mit herzoglichem Rezeß (Brückner) die
Einrichtung dieses Pfarramtes bestätigt und Gräfenhans Nachfolger Johann
Christoph Credner der erste ordentliche Amtsinhaber. Die jetzt sich nötig
machende Aufteilung der dienstliche Vollzüge schlägt sich in den
Amtsbezeichnungen nieder. Blieb der Inhaber der ursprünglichen Pfarrstelle
"der Pfarrer von Friedrichroda" und gleichzeitig Adjunctus, oblagen ihm also
kirchliche, schulische wie bürgerliche Verwaltungsaufgaben, wird der zweite
Pfarrer 'Diaconus zu Friedrichroda' und zum Pfarrer in Rödichen investiert.
Die Wichtigkeit dieser Aussagen
liegen auf der Hand, indem auf das Jahr 1702 bzw. 1721 festgesetzt werden
kann, was nahezu 300 Jahre Geltung behalten sollte - zwei Pfarrer mit
Amtssitz in Friedrichroda. Eine für kirchliche gleich bürgerliche Gemeinde
und Pfarrhaus ereignisreiche Zeit, jene erste Hälfte des 18. Jahrhundert, in
der nachwirkende Verhältnisse geschaffen wurden. Dass es hierfür weniger
äußere Gründe gab, sondern hauptsächlich geistliche, wird in der
Pfarrerchronik rückblickend mit den Worten umschrieben, dass es 'echte
Vermehrung in diesem Gotteshause (hiesige Kirche) gegeben habe, die auch die
Zahl der "öffentlichen Lehrer" vergrößert hat.
Wie auch die Gründe der Zunahme
kirchlichen Lebens im einzelnen zu beurteilen sind, sie haben jedenfalls
dazu geführt, dass die Wohnung, d.h. das Haus des rector scholae,
gleichzeitig Pfarrer von Rödichen und Diaconus zu Friedrichroda neu erbaut
wurde. Letzte Amtsbezeichung wird gleichzeitig Namensgeber des Hauses. Im
Jahr 1735 erfolgt seine Einweihung als Diaconat. Es ist das Gebäude, das uns
in diesen Tagen fast 270 Jahre später neuerlichen Grund zur Freude und
Anlass zur Feier gibt. Das Haus wird folgendermaßen beschrieben: Es "...
stehet neben der Adjunctur...", dem jetzt so benannten Pfarrhaus,"... und
nahe bey der Kirche, hat zwei Stockwercke, in deren unterem die
Schul-Stube, im oberen aber die Wohn-Stube [...] des Diaconi und Rectoris
[...] und 5 Kammern sich befinden, ist sonst auch mit Küchen, Kellern, Böden
und Stallung, auch einen Waschhäuslein versehen". Im gleichen Haus erhält
auch der Cantor seine Wohnung, die "... ist neben des diaconi seiner [...]
und mit 2 Stuben und "zwey Kammern [...] versehen". Damit haben wir eine
verbindliche Aussage über den Bestand des Diaconats, der sich bis heute
verlässlich nachzeichnen lässt. Vielleicht mag sich damit sogar die
Differenz zum erwähnten Stadtplan auflösen lassen, indem man das Diaconat an
die Stelle setzt, die zwischen dem als einzeln stehend bezeichneten
Pfarrhaus, jetzt 'Adjunctur und den beiden Schulhäusern unbebaut geblieben
war. In der Pfarrerchronik ist im Zuge der Einweihung des Diaconats nebenbei
bemerkt, dass es "... bei den 2 Schulhäusern ..." liegt, was damit die Zahl
der kirchlichen Eingebäude auf vier erhöht gleich der Zahl, der auf dem
Stadtplan dargestellten Häuser. Für diese Annahme spricht auch, dass es für
die beiden anderen Lehrer, dem so genannten "... dritten Collegen bei der
Knaben-Schule, so nun auch Organismen] heiss[en]t...", wie auch für den "Mägdleins-Schulmeister"
eine Bleibe gegeben hat. Diese Wohnungen müssen sich in den jeweiligen
Schulhäusem befunden haben und zwar neben den Schulstuben. Demnach waren die
Schulhäuser einstöckige Gebäude, wie vermutlich das Adjuncturgebäude auch.
Trotzdem bleibt ein unauflösbarer
Rest zwischen Stadtplan und den Beschreibungen Brückners berechtigten
Zweifels, über den sich der Mantel der Geschichte wohl völlig geschlossen
hat.
Für die nun folgenden 100 Jahre
ist über die Gebäude kaum Erhebendes den Quellen zu entnehmen, die
räumlichen Gegebenheiten genügten offenbar den Erfordernissen. Dann,
beginnend mit dem Jahr 1823, mehren sich wieder Einträge über Bauarbeiten,
die jetzt das Pfarrhaus bzw. Adjunctur betreffen. Mittlerweile war es das
Älteste der kirchlichen Eingebäude, was die schon erwähnte Baufälligkeit
keinesfalls gebessert hatte. So ist es kaum verwunderlich, dass früher oder
später Bauliches bevorstand. Es wird genauso - wie das Diaconat zuvor -
völlig neu gebaut und schließlich 1825 eingeweiht. Mit diesem Jahr und dem
Neubau der Adjunctur als dem vorerst letzten größeren Bauvorhaben, sind die
kirchlichen Eingebäude in dem Maße ausgebildet, wie sie im weiteren das
Stadtbild prägen und als Pfarrhäuser der Gemeinde ihrer Aufgabe gerecht
werden.
Das heißt auch, dass die Annahme,
das Pfarrhaus sei das ältere Gebäude, damit eine Korrektur erfährt und sich
von nun an auf das Diaconat zu erstrecken hat. Ein Vorgang, der sich schon
deshalb ergeben wird oder schon ergeben hat, weil das ehemalige
Diaconatsgebäude, jetzt das alleinige Pfarrhaus ist, was durch die
geschichtlichen Belege nun zusätzliche Bestätigung erhält. Hat der
Gemeindekirchenrat 1999 die Entscheidung, sich des zweiten Pfarrhauses zu
entledigen, schweren Herzens getroffen, so erhält er zumindest darin eine
Genugtuung, das ältere der beiden Gebäude weiterhin als Pfarrhaus im Besitz
der Gemeinde zu wissen.
An dieser Stelle soll noch etwas
zu den Schulen gesagt werden, die Mitte des 19. Jahrhundert überall
beginnen, sich im Zuge der Ausbildung der Übernahme des Bildungsauftrages
durch den Staat immer weiter der kirchlichen Subordination zu entziehen, was
sich meistens auch in den Örtlichkeiten widerspiegelt. 1868 erfolgt die
Einweihung des neuen Schulgebäudes am alten Kirchplatz, der jetzigen
Lindenstraße, vorher hat es im Diaconat wegen der Zunahme der Schülerzahl
Erweiterungen geben müssen, die vermutlich nur in der Neuordnung der
verfügbaren Räume bestand. 1874 erfährt das neue Gebäude einen weiteren
Anbau, bis schließlich 1889 ein weiterer Neubau, nämlich die Schule an der
Alexandrinenstraße eingeweiht wird, die dann 1900 aufgestockt und durch den
Bau der Turnhalle ergänzt wird. Nebenbei bemerkt: Es ist durchaus möglich,
dass es noch eine weitere Etappe gegeben hat, die beide oder nur ein
Schulhaus zwischen Diaconat und Lindenstraße auf dem Gelände des Pfarrhofes
sieht. Andeutungen und Notizen in der Pfarrerchronik lassen diesen Schluss
zu, bleiben aber gleichzeitig äußerst ungenau in der Beschreibung, wo dieses
Gebäude genau gestanden haben könnte. Soweit und in wenigen Sätzen
nachgezeichnet, die Entwicklung der Schule nach Auflösung der räumlichen
Nähe zu Adjunctur und Diaconat.
Betrachten wir die nun folgenden
Jahrzehnte, hauptsächlich die des letzten Jahrhunderts, dann ist alles, was
sich auf die beiden Pfarrgebäude beziehen lässt, einmal mit dem Erhalt der
Häuser und zum anderen mit den fortlaufenden Anpassungen an den jeweiligen
gemeindlichen Bedarf umrissen. In einer Art Blütenlese, also weniger
chronologisch, sondern ereignisbezogen, will ich das eine oder andere noch
erwähnen und so das Vorhaben, die Geschichte des Pfarrhaus zu beschreiben,
abrunden. Seit 1878, zu Zeiten der Oberpfarrer Haupt und ab 1882 Thielemann,
häufen sich die Einträge, die ziemlichen Ärger mit der Entwässerung der
Gebäude wiedergeben. Dieser leidige Umstand hat darin seine Ursache, dass
fast zeitgleich die "Schwemme", jener kleine Teich, der sich auf dem
heutigen Kirchplatz befand und dem Platz einst seinen Namen gab, zugefüllt
wurde und damit die Entwässerung der Pfarrhäuser ins Stocken geriet. Man
hatte zwar den Abfluss der Häuser mit dem Stollen, der das Wasser der
"Schwemme" abführte, verbunden, aber nicht in ausreichendem Maße. Erst 1890,
nachdem die Keller beider Häuser über mehrere Jahre bei entsprechendem
Regenguss voller Wasser liefen, wurde eine entsprechende Lösung für die
Kanalisation gefunden, deren Verlauf im Zuge des jetzigen Umbaus endgültig
reguliert wurde.
Zwischen 1862 und 97 gehörte
Rödichen zum Pfarramt Wahlwinkel. Jene Zeit wurde zu einer umfangreichen
Renovierung genutzt: Dielen neu verlegt, Fußböden erneuert, Türen und
Fenster gestrichen, bei einem Kostenaufwand - deshalb sei es erwähnt -, von
510 Mark und 49 Pfennigen. Dabei wurde auch Hausschwamm festgestellt, der
1890 erneut auftrat, und erst in jenem Jahr, wie es heißt: "endgültig
beseitigt" wurde. Auch die dafür aufgewendete Summe ist bemerkenswert, sie
betrug 55 Mark und 79 Pfennige. Mit der zeitweiligen Absenz Rödichens als
Filiale von Friedrichroda, verlieren sich zudem die bis dahin gebräuchlichen
Amtsbezeichnungen oder werden durch inzwischen übliche ersetzt: Der
Adjunctus wird nun zum 0berpfarrer und der Diaconus zum zweiten Pfarrer in
Friedrichroda und Pfarrer von Rödichen.
Damit geht einher, dass
verständlicherweise auch die Bezeichnungen der Pfarrhäuser: Adjunctur und
Diaconat aus der Benutzung kommen. Bleibt das Diaconat als unterscheidende
Bezeichnung in der Pfarrerchronik noch bis in die Amtszeit Superintendent
Glombitzas in Gebrauch, später tritt die Bezeichnung "Superintendentur" an
seine Stelle, vertiert sich die Bezeichnung Adjunctur gänzlich und wird auch
durch keine andere ersetzt. Für die Gemeinde sind es von nun an 'die beiden
Pfarrhäuser' und werden allenfalls nach den Namen der jeweiligen Amtsträger
voneinander abgegrenzt.

Einstmals war eine Mauer um die
Kirche angelegt, an deren mehr ostwärts gewandter Seite, wie bereits
erwähnt, das Diaconat grenzte und an deren mehr südwärts gewandter Seite ein
so genanntes Ossarium oder Beinhaus stand - die Leichenhalle. Unweit davon
gab es ein weiteres Haus, das der seit 1873 organisierten Feuerwehr als
Spritzenhaus diente. Als 1885 Mauer, Beinhaus und auch Spritzenhaus
abgerissen wurden, verlor die Feuerspritze ihren Unterstand. Um sie
weiterhin zentrumsnah deponieren zu können, stellte die Hausdurchfahrt
zwischen Adjunctur und Diaconat den Platz, den die Feuerspritze bis 1933
einnehmen sollte. Zuvor -1927-, in der Amtszeit Pfarrer Langenhans, wurde
der Dachstuhl der Nordseite des Diaconats angehoben und damit die nach fast
200 Jahren erste nachweisliche Veränderung am Äußeren des Gebäudes
vorgenommen; wie dann im bereits benannten Jahr 1933 ein Umbau im Inneren
dazukam. Dabei wurden die Verhältnisse geschaffen, wie sie bis zum jetzt
erfolgten Umbau bestanden hatten oder noch bestehen: Ein Pfarrbüro und
Archivraum wurden angelegt und der Gemeinderaum für die Konfirmandenstunde.
Die Wohnungen des Diacons und des Kantors wurden zu einer geräumigen
Dienstwohnung für den zweiten Pfarrer zusammengelegt. Gleichzeitig waren
durch die Überbauung der Hausdurchfahrt zwei weitere . Räume entstanden.
Diese wurden an die Kurverwaltung vermietet, die in jenen Jahren bis 1936
hier ihr Domizil hatte. Der Kostenaufwand für diese umfangreichen Umbauten
kommt schon eher in heutige Dimensionen, : bleibt aber gleichzeitig noch
weit hinter diesen zurück - er betrug 11.022 : Mark.
In der Nachkriegszeit, als der Ort
zuerst unter amerikanische Besatzung
geriet, wurde das Pfarrhaus Zeuge einer zwar den Umständen geschuldeten,
aber trotzdem ziemlich ungewöhnlichen Begegnung. Am 12. 05.1945 wird der
amerikanische Adjutant, Captain Chambers vorstellig, um eine
gottesdienstliche Zusammenkunft (Sittendienst) für seine Soldaten anzumelden.
Dazu oder zu Ähnlichem scheint es nicht gekommen zu sein, denn ? 9 Tage
später, am 21. 05., tritt er ein zweites Mal auf und gibt seinen Abschied
und damit den Abzug der Amerikaner bekannt.
An dieser Stelle ist die
Gelegenheit einmal überhaupt die Zusammenkünfte, Werke und Kreise zu
benennen, die in jener Zeit existierten. Ist zwar das Pfarrhaus auch ein
Gebäude und deshalb den baulichen Erfordernissen unterworfen, so wird es
aber erst mit Leben erfüllt, wenn es seiner Aufgabe, die Gemeinde zu
versammeln, gerecht wird. Ich beziehe mich weitestgehend auf eine Art
Bestandsaufnahme, die die Superintendenten Schulze-Kadelbach und Glombitza
angefertigt haben: 1947 wird eine Frauen-Hilfe ins Leben gerufen, die dann
mit dem seit 1882 existierenden Frauenverein und dem lange vorher
gegründeten Gustav-Adolf-Frauenverein zusammengeführt wird und sich bis in
unsere Zeit als
Frauen- bzw. Mütterkreis einmal monatlich versammelt. ;
Der Kirchenchor, vor 1867 von Cantor Lerp gegründet (das genaue Datum bleibt
unklar), hat in jenen Nachkriegsjahren 20 Frauen. Das Fehlen der '
Männer ist kriegsbedingt, wenngleich sie es auch späterhin nie vermochten,
den Frauen an Zahl ebenbürtig zu werden. Aus gleichem Grunde ist auch der
1930 gegründete Posaunenchor erst mit Beginn der 50iger Jahre wieder
spielfähig.
Christenlehre und Jugendkreise
kommen regelmäßig zusammen und werden von der Katechetin Hanna Schwarz
geleitet, wobei die Christenlehre noch teilweise in der Schule gehalten
wird, aus der sie dann aber bald verdrängt wurde. Weniger in regelmäßigen
als in zunächst sporadischen Zusammenkünften, entwickelt sich das Männerwerk
und Jung-Männer-Werk. Letzteres ist später in die Junge Gemeinde
übergegangen, während Ersteres weiterhin existiert und regelmäßig
zusammenkommt.
Neben diesem wird sich bestimmt
Weiteres hinzufügen lassen, was beispielsweise noch in der Erinnerung ist,
aber hier unbenannt bleibt, ohne freilich seine Bedeutung zu schmälern.
Ein letzter Abschnitt dieser
Blütenlese, ist noch einmal angefüllt mit Bauaufgaben. 1969 beginnend, dann
1975 weiterführend und abschließend, wird die Kantorenwohnung im
Dachgeschoss des Diaconats auf die gesamte Geschossfläche erweitert. Wie
überhaupt in der Amtszeit von Superintendent Schurig eine gründliche
Erneuerung vorgenommen wurde: Neudeckung des Daches 'Diaconat', Erneuerung
der hinteren und Streichen der straßenseitigen Fassaden und des Giebels, wie
auch die Möblierung des Pfarrbüros und schließlich der Ausbau und Neuordnung
des Gemeindebreichs in der Adjunctur mit Gemeinderaum, Küche und
Sanitärräumen. 1981 kommen diese Bauhandlungen zum Abschluss. Die damit
geschaffene Betätigungsfläche für die Gemeinde bildet zusammen mit den
einzelnen Wohnungen nun den direkten Übergang zu den am 24. Juni 2003
abgeschlossenen (Treppenpodest Vordereingang im August)
Erweiterungen/Sanierungen/Umbauten des Gebäudes, das seit 1995 einziges
Pfarrhaus in Friedrichroda ist und - wie diese Darstellung erbrachte -, auch
die Geschichte auf seiner Seite hat.
Möge sich das Geschaffene Innen
wie Außen reichlich auswirken
zum Segen der Gemeinde und zur Ehre Gottes.

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